Das Licht – der innere Kern

✨ Eine mystische Betrachtung

Das Licht ist weit mehr als eine physikalische Erscheinung. Es ist das Urbild des Lebens und die Substanz der Schöpfung, der Ausdruck des ungeschaffenen göttlichen Bewusstseins. Es durchdringt alles Sein, wie es in den Worten anklingt: „Ich Bin das Licht der Welt.“

Doch um das wahre Wesen, den inneren Kern aller Dinge zu erkennen, genügt das äußere Licht allein nicht. Wir benötigen das innere Licht..

💡 Sehen als Einheit in der Freimaurerei

Sehen ist ein doppelseitiger Vorgang. Wir empfangen das Licht der Dinge, aber gleichzeitig beleuchten und bestrahlen wir sie durch unser eigenes Auge, aus unserem eigenen Herzen. Sehen wird so zu einem Austausch, einem Geben und einem Nehmen, einer Verbindung mit dem Wesen des Betrachteten.

Das wahre Sehen geht jedoch darüber hinaus und löst jede Grenze auf. Es vereint Schauenden, Geschautes und Schauen in der ekstatischen Schau, die im Grunde Lieben ist – eine Erfahrung der Einheit des All-Einen in Allem. Dieser Lichtweg der Erkenntnis findet sich in der Freimaurerei und in der Kabbala in der Erweckung des inneren Auges und des darin wohnenden göttlichen Lichtes.

Das Licht um uns und der Lichtfunke in uns sind dabei eins, denn es gibt kein Sein, kein Licht und kein Bewusstsein außer Ihm. Das äußere Licht bleibt in seiner Reinheit makellos, selbst wenn es auf das Dunkel fällt, wie Marc Aurel es formuliert: „Das Licht der Sonne, auch wenn es auf eine Kloake fällt, bleibt stets makellos rein.“

⚫️ Die Natur von Dunkelheit und Schatten

Das Licht ist die ungezeugte Substanz des Göttlichen; das Dunkel hingegen ist geschaffen.Der Schatten ist immer eine Projektion des Lichtes. Er gehört zur relativen Welt des Gegenständlichen. Wo wir diese dichter-materielle Welt übersteigen und in das göttliche Licht eintauchen, lösen sich alle Schatten auf. Ohne Licht kein Schatten.

Dennoch geht der Schatten ursprünglich aus dem Geist hervor. Er entsteht durch den Fall und die Verdichtung der lichthaften Ursubstanz in dichteren Stoff.

Hieraus ergibt sich die Unterscheidung von zwei Arten des Dunkels:

1. Das Dunkel als Substanz: Eine „lichtlose“ Substanz, die Materie oder der Stoff, ein Zustand verdichteten Bewusstseins, der zu Trübung und Blindheit führt. Dies ist die erste Art von Finsternis.

2. Das Dunkel als Schatten: Die Verstellung des Lichtes durch die manifeste, dingliche Substanz. Schatten sind Projektionen der relativen Welt aus dem ungebrochenen Licht des Geistes.Wir sind Lichter, versenkt in die Finsternis dieser stofflichen Welt, um uns zu vollenden und sie zu erleuchten. Als individuelles Bewusstsein (Shiva) haben wir jedoch einen Teil unserer ursprünglichen Leuchtkraft (Shakti) eingebüßt. Diese Blindheit unseres Wesens formt unser Ego – ein Pseudo-Ich, das aus verfestigten inneren Bildern und blinden Flecken (unseren unintegrierten seelischen Anteilen) entsteht.

Die Welt erscheint uns stets in der Weise, wie unser Wesen beschaffen ist: Ist unser Wesen hell, so erscheint sie uns hell, ist es dunkel, so erscheint sie uns ebenfalls dunkel.

🎨 Die Sprache der Farbe:

Ausdruck des Lebens und des GeistesFarbe ist der Abglanz und Ausdruck des Lebens, so wie das Licht das Urbild des Geistes und des alldurchdringenden Bewusstseins ist. Farben bilden die hauptsächlichen Brücken zwischen Seele, innerem Leben und äußerer Welt.Sowohl unsere Stimmungslage (trüb und schmutzig bei Egozentrik und Niederträchtigkeit; hell und brillant bei Hingabe und hohen Idealen) als auch Urkräfte des Geistes spiegeln sich in den Farben.

🟡🔴🔵 Die Dreieinheit der Urfarben

Die drei Grundfarben Gelb, Rot und Blau sind die Urkonstituenten des Lichtes und bilden ein Modell der Dreieinheit des Lichtes in Licht, Farbe und Finsternis. In ihrer gleichteiligen Verbindung führen sie zur Einheit des Lichtes jenseits aller Farben. Sie sind die drei Säulen der farbigen Welt und symbolisieren die Prinzipien von Körper, Seele und Geist im Menschen.

Die Verbindung dieser Elemente erzeugt die Fülle und Vielfalt der Farben. Gelb (Richtung) erfüllt die Spannung zwischen Rot (Bewegung/Wille) und Blau (Ruhe/Sehnsucht), bringt das System in dynamisches Gleichgewicht.

• Grün: Die Verbindung von Geist (Gelb) und Materie (Blau), von Licht und Dunkel. Es symbolisiert Wachstum, Leben und die Intelligenz der Natur.

• Orange-Blau: Die Liebesachse, die das Prinzip des Gebens und Nehmens repräsentiert – den Fluss von Herzenswärme und Kreativität. Wahres Geben ist das Teilen von Freude und Schmerz; wahres Nehmen ist das Annehmen und Wahr-Nehmen des Anderen, wie er ist.

🌟 Erkenntnis des Selbst – der erste Schritt in der Freimaurerei

Der bewusste Umgang mit Licht, Schatten und Bildern ist unsere Grundlage unseres Erlösungsweges.Die Schatten zu erlösen bedeutet, die Trübungen, Bilder und fixen Ideen abzulösen, die sie verursachen. Es geht darum, das in ihnen gebundene Potential von Bewusstsein, die verborgenen Anlagen und Fähigkeiten unserer Individualität, zu erschließen.In der Läuterung unseres Wesens und der Erinnerung an unsere ursprüngliche Geistnatur (reines Licht), überwinden wir die Materie und kommen zur Erkenntnis unseres Selbst.

Dies ist die Lösung des Paradoxes der Selbsterkenntnis: Bewusstsein wird sich im Bewusstsein und -werden seiner selbst bewusst. Der Erkennende erkennt im Akt der Erkenntnis sich selbst. In seinem Vollzug werden Erkennender, Erkenntnis und Erkanntes eins.

Unter „https://sgovd.info/presse“ findest du das französische Original aus der Ausgabe des online Magazin Nr. 27 unserer Partner-Großloge „Grand Loge National des Rites Maçonniques“. In diesen Bereich findest du auch den gesamten Magazin.

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Das vergessene Ideal: Die Menschenliebe

Wie kann die freimaurerische Menschenliebe der Kompass für unsere moderne Welt werden?

In einer Zeit, in der soziale Netzwerke oft mehr trennen als verbinden und der öffentliche Diskurs zunehmend von Polarisierung geprägt ist, wirkt ein Begriff fast schon wie aus der Zeit gefallen: Menschenliebe.Für Freimaurer ist die „Philanthropie“ – die Liebe zum Menschen – jedoch kein staubiges Relikt der Aufklärung, sondern das Fundament ihres gesamten Wirkens.

Doch was bedeutet das konkret? Ist es nur Wohltätigkeit, oder steckt mehr dahinter? Und vor allem: Warum ist dieses Prinzip für die „profane“ Welt – also die Gesellschaft außerhalb der Logen – heute wichtiger denn je?

Mehr als nur Almosen: Die Menschen liebe häufig wird Menschenliebe mit bloßem Spenden sammeln gleichgesetzt. Doch im freimaurerischen Kontext geht das Konzept tiefer. Es handelt sich um eine innere Haltung.

* Anerkennung der Würde: Es ist die tiefe Überzeugung, dass jeder Mensch, unabhängig von Herkunft, Religion, politischer Gesinnung oder sozialem Status, einen unantastbaren Wert besitzt.

* Empathie als Disziplin: Menschenliebe ist kein passives Gefühl, sondern eine aktive Übung. Es geht darum, dem „Anderen“ mit Wohlwollen zu begegnen, selbst wenn man seine Meinung nicht teilt.

Die Baustelle des Selbst: Warum Liebe innen beginnt?

Ein zentrales Geheimnis der Freimaurerei ist, dass man die Welt nicht verbessern kann, ohne bei sich selbst anzufangen. Das Bild des „rauen Steins“, der zu einem „kubischen Stein“ behauen werden muss, ist hier entscheidend.

Die Freimaurer lehren, dass Egoismus, Vorurteile und Intoleranz die Kanten sind, die uns daran hindern, uns harmonisch in das Gebäude der Menschheit einzufügen.

„Menschenliebe bedeutet, die eigenen Schatten zu kennen, um das Licht im anderen nicht zu übersehen.“

Wer lernt, sich selbst kritisch zu reflektieren, entwickelt automatisch eine größere Toleranz gegenüber den Fehlern seiner Mitmenschen. In einer Gesellschaft, die oft mit dem Finger auf andere zeigt, ist diese Selbstarbeit ein revolutionärer Akt des Friedens.

Die Loge als Laboratorium

Warum ist die Freimaurerei für die Gesellschaft so wertvoll?

Weil die Loge ein geschützter Raum ist, in dem Menschenliebe praktisch geübt wird. In einer Loge treffen Menschen aufeinander, die sich im Alltag vielleicht nie begegnen würden: Der Handwerker sitzt neben dem Professor, der Konservative neben dem Liberalen

.… Und was die „profane“ Welt davon lernen kann:

* Zuhören statt Überreden: In der Loge spricht man nacheinander. Man lässt ausreden. Das Ziel ist nicht der Sieg im Argument, sondern das Verständnis des Gegenübers.

* Harmonie trotz Vielfalt: Die Freimaurerei beweist, dass Einigkeit nicht Gleichheit bedeutet. Man kann fundamental verschieden sein und dennoch an einem gemeinsamen Ziel arbeiten.

* Diskretion und Vertrauen: In einer Welt der totalen Transparenz und des digitalen Prangers bietet die Freimaurerei einen Raum, in dem Vertrauen die Währung ist.

Warum die Gesellschaft die Menschenliebe braucht?

Man könnte fragen: „Schön und gut, aber was bringt uns das draußen?“

Die Antwort ist simpel: Sozialer Zusammenhalt.Unsere moderne Gesellschaft leidet unter einer zunehmenden Vereinsamung und einer „Eiszeit“ der Gefühle. Wenn wir den Menschen nur noch als Konkurrenten, als Datensatz oder als politischen Gegner sehen, bricht das soziale Gefüge auseinander.

Die freimaurerische Menschenliebe wirkt hier als Bindemittel:

* Sie fördert das Ehrenamt, da der Maurer dazu angehalten ist, in seinem Umfeld helfend einzugreifen.

* Sie deeskaliert Konflikte, weil sie den Dialog sucht, wo andere Mauern bauen.

* Sie stützt die Demokratie, da diese ohne den Respekt vor der Würde des Andersdenkenden nicht existieren kann.

„Du weißt was LIEBE ist, erst wenn du LIEBE in der Tat umsetzt! „

Menschenliebe ist kein exklusives Privileg der Freimaurer. Sie ist eine menschliche Notwendigkeit. Die Freimaurer bewahren lediglich eine Methode und eine Tradition, die uns daran erinnert, was wir im Kern sind: soziale Wesen, die aufeinander angewiesen sind.Die Wichtigkeit der Menschenliebe für die Gesellschaft zu beweisen, gelingt nicht durch kluge Texte, sondern durch unser Vorbild.

Wenn ein Freimaurer – oder jeder Mensch mit gutem Willen – in einer hitzigen Diskussion ruhig bleibt, einem Notleidenden ohne Zögern hilft oder einfach nur ein ehrliches Interesse an seinem Nächsten zeigt, dann ist der Beweis erbracht.

Die Welt ist ein Tempel, der noch im Bau ist. Jeder von uns hält einen Stein in der Hand. Die Frage ist nur:

Baust du damit eine Mauer, die trennt, oder ein Fundament, das trägt?

Determinismus – ist alles im Universum vorherbestimmt?

Die Frage, ob alles im Universum vorherbestimmt ist, gehört zu den tiefgreifendsten und ältesten in der Philosophie und Physik. Lange Zeit galt der Determinismus – die Vorstellung, dass der Zustand des Universums zu einem bestimmten Zeitpunkt seine gesamte Vergangenheit und Zukunft eindeutig festlegt – als Triumph der klassischen Physik.

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Doch mit dem Aufkommen der Quantenmechanik schien dieses Weltbild erschüttert. Weit verbreitet ist die Annahme, dass die quantenphysikalischen Unsicherheiten und die damit verbundene Zufälligkeit den Determinismus endgültig zu Fall gebracht haben.

Der US-Physiker Eddy Keming Chen und der verstorbene James Hartle (1933–2023) liefern jedoch entscheidende Beiträge zu einer alternativen Sichtweise, die diese übliche Erzählung in Frage stellt: Das quantenmechanische Universum könnte unter Umständen deterministischer sein als das klassische. Trotz aller offensichtlicher Ungewissheiten könnte die Quantenmechanik besser erklären, warum das Weltall so ist, wie es ist. Vielleicht konnte sich unser Kosmos nur auf diesem einen einzigen Pfad entwickeln, der zum heutigen Universum geführt hat.

Der klassische Determinismus: Newtons Triumph und Einsteins Zweifel

In der Physik bedeutet Determinismus, dass die gesamten Geschichte des Universums aus seinem Zustand zu einem bestimmten Zeitpunkt und den fundamentalen physikalischen Gesetzen rekonstruiert und seine künftige Entwicklung vollständig bestimmt werden kann.

Die Herrschaft der klassischen Gesetze

Dieser Standpunkt erreichte seinen Höhepunkt mit den präzisen Gleichungen der klassischen Physik, insbesondere den Bewegungsgesetzen von Isaac Newton. Nach diesen Gesetzen könnte ein hypothetisches Wesen, das die gegenwärtigen Orte und Impulse aller Teilchen kennt, im Prinzip alle Informationen über die Vergangenheit und Zukunft des Universums ermitteln. Ein Mangel an Wissen oder Rechenleistung wäre die einzige Einschränkung.

Diese Vorstellung deckt sich mit einem wissenschaftlichen Grundprinzip, das Gottfried Wilhelm Leibniz im „Satz vom zureichenden Grund“ formulierte: Es muss für alles eine Ursache geben. Jeder Zustand des Universums (bis auf den Anfangszustand) kann vollständig durch einen früheren Zustand erklärt werden. Der klassische Determinismus legt den „Zug des Universums“ auf ein einziges, festes Gleis fest.

Philosophische Kontroversen

Diese Vorhersage- und Erklärungskraft war in der Physik geschätzt, führte aber in anderen Bereichen, insbesondere der Philosophie, zu Kontroversen. Der Hauptkonflikt liegt im scheinbaren Ausschluss des freien Willens: Wenn unsere Handlungen lediglich die deterministische Summe von Teilcheninteraktionen sind, bleibt kein Raum für eine freie Entscheidung zwischen Option A und B. Die früheren Zustände des Universums hätten unsere Wahl bereits festgelegt. Dies wirft ethische Fragen bezüglich der Verantwortlichkeit für unsere Taten auf.

Sogar Albert Einstein, selbst Verfechter des Determinismus, wurde von grundlegenden Fragen umgetrieben, wie er dem Mathematiker Ernst Strauss gegenüber bemerkte:

»Was mich eigentlich interessiert, ist, ob Gott die Welt hätte anders machen können; das heißt, ob die Forderung der logischen Einfachheit überhaupt eine Freiheit lässt.«

Die quantenphysikalische Herausforderung

Der Determinismus schien am Beginn des 20. Jahrhunderts durch das seltsame Verhalten von Quantenobjekten, das die Quantenmechanik aufdeckte, fundamental erschüttert zu werden.

Der Zufall der Wellenfunktion

Die Gesetze der Quantenmechanik liefern für den Ausgang von Experimenten nur Wahrscheinlichkeiten. Das berühmte Gedankenexperiment von Erwin Schrödinger mit der Katze in der Kiste veranschaulicht dies: Das Schicksal der Katze ist mit einem zufälligen Quantenereignis (z. B. radioaktiver Zerfall) verknüpft. Solange das System nicht gemessen wird, beschreibt eine Wellenfunktion einen Überlagerungszustand von „Katze lebendig“ und „Katze tot“. Erst die Messung reduziert die Wellenfunktion zufällig auf einen der beiden Zustände.

Die Messung scheint hier eine fundamentale, nicht vorhersagbare Zufälligkeit einzuführen. Damit schien der klassische Determinismus, der eine eindeutige Vorhersage forderte, vom Podest gestoßen.

Die Unwägbarkeiten des klassischen Kosmos

Doch die Geschichte hat eine Wendung. Entwicklungen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts legen nahe, dass das quantenmechanische Universum noch stärker deterministisch sein könnte als das klassische. Dies hat zwei Hauptgründe:

  1. Das Problem der unberechenbaren Unendlichkeiten: Die Gesetze von Newton erlauben theoretisch Situationen, in denen die Zukunft nicht vollständig aus der Vergangenheit abgeleitet werden kann. Ein klassisches Objekt könnte durch unbegrenzte Beschleunigung theoretisch in endlicher Zeit unendlich weit in den Raum entweichen (oder als sogenannte „Space Invaders“ aus der räumlichen Unendlichkeit zu uns vorstoßen). Solche Ereignisse wären kausal nicht mit dem bekannten Universum verbunden und könnten daher nicht vorhergesagt werden.
  2. Singularitäten in der Relativitätstheorie: Selbst die klassische Spezielle und Allgemeine Relativitätstheorie, die durch die Lichtgeschwindigkeit eine absolute Geschwindigkeitsgrenze einführen, werden durch unberechenbare Unendlichkeiten geplagt: sogenannte Singularitäten (z. B. in Schwarzen Löchern oder am Urknall). An diesen Punkten, wo die Raumzeit unendlich stark gekrümmt ist, brechen die Gesetze der Relativität zusammen. Alles Mögliche könnte aus ihnen herauskommen oder in ihnen verschwinden, was den Determinismus gefährdet.

Viele Physiker glauben, dass eine zukünftige Theorie der Quantengravitation diese Singularitäten beseitigen könnte – beispielsweise, indem der Urknall zu einem Urprall wird, der eine reibungslose Weiterentwicklung des Universums jenseits der Singularität ermöglicht. Solche Ansätze würden die Lücken in der Raumzeit glätten und den Determinismus wiederherstellen.

Der starke Determinismus und die Wellenfunktion des Universums

Der zweite und tiefer liegende Grund für einen möglichen Quantendeterminismus ist das Vermächtnis von James Hartle, der zusammen mit Stephen Hawking zu den Vorreitern der Quantenkosmologie gehörte, die die Quantentheorie auf das gesamte Universum anwendet.

Das Defizit des klassischen Determinismus

Im klassischen Kosmos gibt es eine Entscheidungsfreiheit bezüglich der Anfangsbedingungen. Selbst ein deterministisches Gesetz wie Newtons Mechanik trifft nur bedingte Aussagen: Wenn dies passiert, dann muss jenes geschehen. Es erklärt nicht, warum der Zug des Universums sich auf einem bestimmten Gleis befindet und nicht auf einem anderen – warum er von A über B nach C fährt und nicht von X über Y nach Z.

Dieser Mangel bedeutet, dass der klassische Determinismus Leibniz‘ Satz vom zureichenden Grund nicht vollständig erfüllt. Der Anfangszustand des Universums lässt sich durch nichts erklären, was ihm vorausging, da es keinen früheren Zustand gab. Die dynamischen Gleichungen allein können die Phänomene des Universums – seine Struktur, Galaxien, Sterne – nicht vorhersagen, da diese stark von den gewählten Anfangsbedingungen abhängen.

Starker Determinismus: Einzigartige Geschichte

Der englische Physiker Roger Penrose prägte hierfür den Begriff „starker Determinismus“. Dieser geht über die reine Bestimmung der Zukunft durch die Vergangenheit hinaus. Im starken Determinismus ist

»die gesamte Geschichte des Universums nach einem präzisen mathematischen Schema für alle Zeiten festgelegt«.

Ein Universum ist stark deterministisch, wenn seine grundlegenden physikalischen Gesetze eine einzigartige kosmische Geschichte vorschreiben. Gibt der einfache Determinismus eine Reihe paralleler Gleise vor, so gibt es beim starken Determinismus nur ein einziges Gleis, bei dem nicht einmal der Startpunkt frei wählbar ist.

Hartles und Hawkings grenzenloser Vorschlag

Die Herausforderung im Rahmen der klassischen Physik wäre, dass die Anfangsbedingungen eines so komplexen Universums ebenfalls extrem kompliziert sein müssten und ihre Beschreibung ein Gesetz von unmöglicher Komplexität erfordern würde.

Hartle und Hawking schlugen 1983 vor, dieses Problem mithilfe der Quantenmechanik zu lösen, indem sie eine einfache Startbedingung konstruieren, die die Komplexitäten des heutigen Universums als emergente Strukturen in einer Quantenüberlagerung enthält. Hierbei wird das Universum durch eine einzige, fundamentale Realität beschrieben: die Wellenfunktion des Universums.

Ihr Vorschlag einer grenzenlosen Wellenfunktion legt nahe, dass sich die Form des Universums in Richtung Vergangenheit sanft abrundet und zu einem einzigen Punkt schrumpft – es hat keinen Rand und keinen Anfang in einem klassischen Sinne. Wie Hawking formulierte:

»Die Randbedingungen des Universums müssen etwas ganz Besonderes an sich haben, und was könnte besonderer sein als die Bedingung, dass es keinen Rand gibt?«

Nach dieser Sichtweise hat das Quantenuniversum zwei Gesetze:

  1. Ein deterministisches Gesetz für die zeitliche Entwicklung (analog zur Schrödingergleichung).
  2. Ein Gesetz für die anfängliche Wellenfunktion.

Dies erfüllt die Kriterien des starken Determinismus: Die Gesetze lassen genau eine kosmische Geschichte zu, wenn auch eine, bei der die Wellenfunktion viele klassische Trajektorien (ähnlich der Viele-Welten-Interpretation von Hugh Everett) überlagert. Es gibt keine Zufälligkeit des Universums als Ganzes, und es gab keine alternative Möglichkeit, wie es hätte beginnen können. Jedes Ereignis ist durch die Gesetze erklärt und für alle Zeiten festgelegt. Die bekannten Quanten-Wahrscheinlichkeiten entstehen dabei erst als grobkörnige, partielle Beschreibungen von Teilen des Universums.

Die ultimative Theorie und die Konsequenzen

Obwohl der Hartle-Hawking-Vorschlag Schwächen aufweist (z. B. die mögliche Nichteindeutigkeit der Wellenfunktion), weist er den Weg zu einer Theorie mit stärkeren Vorhersagen und Erklärungen. Forschung zu den konzeptionellen Grundlagen der Quantenphysik – beispielsweise die Betrachtung von Dichteoperatoren anstelle von reinen Wellenfunktionen als umfassendere Beschreibung geschlossener Quantensysteme – könnte weitere Wege aufzeigen, den starken Determinismus zu implementieren.

Die endgültige Antwort auf die Frage nach dem Determinismus wird von der ultimativen Theorie abhängen, die Quantenphysik und Relativitätstheorie überbrückt. Diese Theorie liegt noch in weiter Ferne.

Sollte Hartle jedoch Recht behalten, dann nimmt die gängige Erzählung vom Aufstieg und Fall des Determinismus eine dramatische Wende. Das quantenmechanische Universum wäre dann – aus diesem bestimmten Blickwinkel – vorhersagbarer und besser erklärbar als seine klassische Version. Eine solche Perspektive hätte auch tiefgreifende Konsequenzen für unser Selbstbild, da es schwieriger würde, sich zur Verteidigung des freien Willens auf die Zufälligkeit der Quantentheorie zu berufen.

Wenn das Quantenuniversum stark deterministisch ist, dann gibt es keinen anderen Weg als den, auf dem es sich befindet. Warum aber alles gerade so ist, wie es ist, können uns nur die finalen Gesetze des Quantenkosmos verraten.

Ovidiu Bretan

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Wir lieben es zu hassen

Von der Liebe zum Hass ist ein Konzept, dem ich seit einiger Zeit folge, aber in den letzten Tagen und Wochen hatte ich die unangenehme Überraschung, es klar zu sehen und manifestierte sich ohne Verlegenheit fast im öffentlichen Raum.

Auf jeder Seite der Barrikade, die Sie sich befinden, hoffe ich, dass die Linien unten Sie in einer Selbstüberprüfung inspirieren werden.

„Wir lieben es zu hassen“ – ein paradoxer Ausdruck, aber so präsent in unserer Realität. Oft wird Hass zu einem leichten Refugium, zu einer Energie, die die Illusion von Macht und Überlegenheit vermittelt.

Anstatt Brücken zu bauen, entscheiden wir uns dafür, Mauern zu errichten, und Ressentiments scheinen leichter zu tragen als Vergebung. Aber die Liebe der Hass vergiftet nur unsere Seele, um uns in einem Teufelskreis der inneren Finsternis gefangen zu halten, wobei wir gerade auf dem Weg zum Licht waren. In dem Moment, in dem wir entdecken, dass Hass keine Freude oder Erfüllung bringt, sondern nur leer und bitter, können wir verstehen, dass wahre Macht in der Liebe liegt, auch wenn es unmöglich scheint.

Der Moment der Enthüllung, dass Hass wie eine Droge ist, die uns langsam zu uns verzehrt und das Potenzial hat, die Richtung, die wir mit Leidenschaft befolgen, zu ändern. Für einige kommt dieser Moment nie, die Drogenniederlagen und macht viele Opfer.

„Wir lieben es zu hassen“, weil Hass uns eine falsche Klarheit gibt: ein sichtbarer Feind, eine übertragene Schuld, eine leicht zu befolgende Bedeutung. Es hat eine spezielle Verführung, weil es Frustration in Treibstoff und Unzufriedenheit in Identität verwandelt. In einer Welt, die beeilt ist, einfache Erklärungen zu suchen, wird Hass oft zur gemeinsamen Währung von Gesprächen, kann manchmal leider auch in freimaurerischen Gemeinschaften sich verlieren. Freimaurer sind auch Menschen. Es ist nicht die Zeit, wach zu werden.

Und doch, was wir lieben, wenn wir hassen, ist nicht die Macht, sondern ihre Illusion. Anstatt uns frei zu machen, verengt der Hass unseren Blick und schließt uns im Teufelskreis des Misstrauens.

 „Wir lieben es zu hassen“, weil Hass uns eine Illusion von Zusammenhalt und Zugehörigkeit gibt. In der Geschichte verstanden totalitäre Ideologien diesen Mechanismus und nutzten ihn aus: Der Nationalsozialismus vereinte ganze Massen um den Hass des „anderen“, Kommunismus pflegte Hass auf „Klassenfeinde“. Kulturell sind polarisierte Diskurse im modernen öffentlichen Raum nichts anderes als eine Neuauflage desselben Reflexes: Hass wird zur raschen Bindung, stärker als authentische Solidarität. Selbst die jüngsten Konflikte in er Welt zeigen, wie Hass in Gerechtigkeit, in Gerechtigkeit, zu Ehren, wenn er in Wirklichkeit nur den Kreislauf des Schmerzes verewigt. In der Tat, was wir im Hass lieben, ist nicht die Wahrheit, sondern ihre grausame Energie, die uns oberflächliche Identitäten und schnelle Erklärungen gibt.

Aber diese Liebe ist vergiftet: Sie füttert uns für einen Moment, aber auf lange Sicht entzieht sie uns der Menschheit. Wir wissen, dass das in der Freimaurerei nicht zu suchen hat, und dürfen es auch nie vergessen.

„Wir lieben es zu hassen“, weil Hass uns eine einfache Energie, eine schnelle Rechtfertigung und einen gemeinsamen Feind zu geben scheint, gegen den wir uns vereinen können. Es gibt die Illusion von Zusammenhalt und Gerechtigkeit, aber es ist ein kaltes Feuer, das unsere Seele verzehrt, und die Freimaurer haben es immer schon gewusst, und sich dagegen gewährt.

Wahre Macht zeigt sich nicht in dem Hass, der sich trennt, sondern in der Liebe, die Brücken baut, auch wenn es unmöglich erscheint. Hass ist der Schrei des Fleisches, Liebe ist die Stimme des Geistes. Die Frage bleibt: Welche Stimme sollten die Menschen wählen.

Wir leben in einer Welt, in der Hass paradoxerweise zu einem Bindemittel wird. Wir vereinen uns oft nicht durch Liebe, sondern durch einen gemeinsamen Feind: sei es eine Person, eine Gemeinschaft, eine Nation oder eine Idee. Der Hass schafft die Illusion der Solidarität, vermittelt den Eindruck von Stärke und moralischer Klarheit, aber in Wirklichkeit schwächt sie die Seele nur und macht unsere Herzen krank. Dies erklärt, warum die Menschen jenseits freundlicher Worte über Frieden und Einheit eine Art Zufriedenheit im Hass zu finden scheinen.

Ich bin froh, dass uns in der Freimaurerei dessen bewusst ist, und versuchen in jedem Schritt entgegenzuwirken.

Daher bleibt die Frage offen: Muss die Menschheit Hass lieben, wenn wir Liebe lieben können?

Ovidiu Bretan

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Freimaurerei und gesellschaftliche Werte – Teil 2

Gibt es universelle Werte?

In den 1980er Jahren hatte der Psychologe Shalom H. Schwartz zusammen mit Wolfgang Bilsky die Frage aufgeworfen, ob es universelle Werte gibt. Er entwarf ein Wertemodell und postulierte eine Anzahl von Werten, die alle Menschen in unterschiedlichen Ausprägungen gemeinsam haben müssten.

Wilhelm Gerbert

Das InterAction Council, eine Expertengruppe aus Politikern, Sozialwissenschaftlern und Vertretern weltweiter Religionsgemeinschaften erarbeitete eine möglichst umfangreiche Minimalsynthese, ausgehend von politischen Prämissen und einer Bestandsaufnahme weltanschaulicher und religiöser Ideale. Und das als Ergänzung zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte den „Vereinten Nationen.

In 19 Artikeln wird menschenfreundliches Handeln genauer behandelt. So gehört es zu den grundlegenden Richtlinien,

  • sich friedlich zu verhalten,
  • andere Menschen freundlich und verständnisvoll zu behandeln
  • und hilfsbereit zu sein.

Kein Mensch, kein Staat, keine Organisation, keine soziale Gruppe und kein staatlicher Apparat steht über den Dingen oder jenseits von Gut und Böse. Jeder Einzelne ist seinem Gewissen unterworfen, trägt die Folgen seines Handelns und soll sich im Geist der Brüderlichkeit verhalten. Dies verbietet das Kriege führen, die Gewalt und den Terrorismus, schließt allerdings die Selbstverteidigung im Falle eines Angriffs nicht aus.

Es wird ein Leben in Wahrhaftigkeit und Toleranz gefordert. Dies bedeutet zum Beispiel, dass niemand seine Mitmenschen belügen, betrügen oder manipulieren soll.

Hass, Gewalt und Krieg im Namen einer Religion, einer Weltanschauung oder einer politischen Meinung widersprechen dieser Erklärung. Religionsgemeinschaften und Autoritäten, die Feindschaft, Gewalt, Intoleranz oder gar Krieg predigen, verdienen den Verlust ihrer Gefolgschaft und ihres Ansehens.

Einen hohen Stellenwert hat die Gleichwertigkeit von Mann und Frau und die Partnerschaftlichkeit in der Ehe. Das Zusammenleben von Mann und Frau soll von Liebe, Treue, Dauerhaftigkeit und Respekt geprägt sein. Die Ehe soll den Ehepartnern und den Kindern Geborgenheit und Schutz geben. Es darf niemand gegen seinen Willen gezwungen werden, zu heiraten. Sexuelle Ausbeutung und Gewalt werden als verwerflich abgelehnt.

Ein weiterer Artikel fordert ein gerechtes und faires Verhalten und einen angemessenen Umgang mit Eigentum. Jede Form des Diebstahls, der Ausbeutung, des Betrugs, der Benachteiligung sowie eine ungerechte Wirtschaftsordnung werden als ungerecht und unmenschlich betrachtet. Jeder Mensch soll sein Eigentum so gebrauchen, dass es zugleich der Allgemeinheit dient.

Die Ehrfurcht vor dem Leben beschränkt sich in dieser Erklärung nicht auf das menschliche Leben, sondern schließt Tiere, Pflanzen, den Erdboden, das Wasser und die Luft mit ein. Die Menschen sollen Sorge dafür tragen, dass die Natur und die Mitgeschöpfe geschützt und erhalten werden.

Der letzte Artikel legt fest, dass keine Bestimmung dieser Erklärung so ausgelegt werden darf, dass ein Staat, eine Organisation, ein Staatsapparat, eine Religionsgemeinschaft, eine soziale Gruppe oder ein einzelner Mensch die Menschenrechte von 1948 (Grundrechtecharta) verletzt.

Werte in der Freimaurerei

Wie sieht es jetzt mit den Werten der Freimaurerei aus? Die Freimaurerei, versteht sich als ein ethischer Bund freier Menschen mit der Überzeugung, dass die ständige Arbeit an sich selbst zu einem menschlicheren Verhalten führt.

Die Freimaurerischen Werte entstammen in ihren Grundzügen dem Zeitalter der Aufklärung. Im Folgenden dargestellt als die fünf Grundpfeiler der Freimaurerei:

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität

  • Freiheit soll verwirklicht werden durch die Freiheit vor Unterdrückung und Ausbeutung als Grundvoraussetzung der Freiheit des Geistes und der Verwirklichung.
  • Gleichheit bedeutet Gleichheit der Menschen ohne Klassenunterschiede und Gleichheit vor dem Gesetz.
  • Brüderlichkeit wird verwirklicht durch Sicherheit, Vertrauen, Fürsorge, Mitverantwortung und die Verständigung mit- und untereinander.
  • Toleranz wird gelebt durch aktives Zuhören und Verständnis anderer Meinungen.

Humanität umfasst die Summe aller vorherigen vier Grundsäulen und wird durch den sog. Tempel der Humanität symbolisiert.

Die Freimaurerei hat also nicht wirklich ein eigenes Wertesystem entwickelt. Sie hat das übernommen, was in der Zeit der Aufklärung en vogue war.

Das besondere Ziel der Freimaurerei liegt darin, diese Grundsätze im Alltag zu leben, um so das menschlich Gute in der Welt zu fördern.
Im freimaurerischen Sinn bedeutet Humanität die Lehre von der Würde des Menschen. In den Logen sehen Freimaurer daher bei ihrer Arbeit von allen gesellschaftlich bedingten Unterschieden ab, der Mensch an sich steht im Mittelpunkt. Und es ist der Auftrag an jeden Freimaurer diese Werte im Alltag zu leben.

Der Redner einer Großloge und Bruder Prof. Dr. Höhmann hat fünf Gesichtspunkte hierzu aufgestellt: (ich zitiere)

  1. Freimaurer sind aufgrund ihrer Tradition mit der Entwicklung ethischer Werte verbunden und aufgrund dieser Tradition auch an der Umsetzung von Werten in der Lebenspraxis der Gegenwart interessiert. Werteerziehung gehört daher zu den wichtigsten Aufgaben der Loge.
  2. Freimaurer gehen davon aus, dass Werteerziehung scheitern muss, wenn sie nicht im Verhalten der einzelnen Menschen innerhalb der Gesellschaft eingeübt und verankert wird. Deshalb versteht sich die Ethik der Freimaurer in erster Linie als eine Ethik der Einübung.
  3. Freimaurer sind der Auffassung, dass die Gruppe das leistungsfähigste Medium der Werteerziehung und der Einübung wertebezogener Verhaltensweisen ist. Dies gilt für die Familie, den Kindergarten, die Schule und die Kirchengruppe ebenso wie für die Logen der Freimaurer.
  4. Freimaurer sind davon überzeugt, dass in der Freimaurerei geeignete Methoden zur Einübung von Werten vorhanden sind, und sie sehen diese in der sozialen, der diskursethischen und der rituellen Praxis der Loge.
  5. Freimaurer wissen, dass sie in der Praxis der Einübung und der alltäglichen Umsetzung von Werten immer wieder scheitern können, und sie haben dafür ein anschauliches Symbol, den rauen, unbehauenen Stein des eigenen Selbst, den sie immer wieder bearbeiten müssen.

Was fange ich jetzt damit an?

  • Die Werte der Freimaurerei wurden in der Zeit der Aufklärung genauso durchgesetzt wie aktuelle Drohnenmorde oder IS-Attentate.
  • Sie wurden mit dem Blut der Guillotinen geschrieben.
  • Als Freimaurer haben wir es nicht geschafft eigene Werte zu entwickeln.
  • Wir berufen uns also auf Werte, die nicht aus uns selbst geboren wurden.
  • Wir berufen uns auf Werte, zu deren historischer Durchsetzung der Zweck die Mittel gerechtfertigt hat.

Was bleibt für mich? Der raue Stein. Das ist etwas Neues. Der raue Stein ist meine Richtschnur und mein Ziel. Der raue Stein zeigt mir, was ich zu tun habe – an mir selbst zu arbeiten und somit zum Vorbild für andere zu werden.

  • Es geht nicht um die Durchsetzung von Werten nach außen,
  • sondern um das, was mir im Ritual zugerufen wurde: „Erkenne Dich selbst

Ich schließe mit einem tröstlichen Zitat aus dem Faust: „Wer immer streben sich bemüht – den können wir erlösen“.

Freimaurerei und gesellschaftliche Werte – Teil 1

Werte, freimaurerische Werte, gesellschaftliche Werte, politische Werte, religiöse Werte, interkulturelle Werte, Werte in der Erziehung, werteorientiertes Denken und Handeln – eigentlich alles bekannt. In den Jahrtausenden der bekannten Geistesgeschichte gab es wirklich niemanden, der zum Thema Werte nicht seinen Kommentar abgegeben hat.

Wilhelm Gerbert

Doch – was sind eigentlich Werte? Wo kommen sie her? Wer definiert sie? Und für wen gelten sie? Gibt es Werte, die für alle Menschen unabhängig von erlernter Kultur und individueller Weltanschauung gelten?

Beginnen wir mit einer kurzen Definition.

Wertvorstellungen oder kurz Werte bezeichnen im allgemeinen Sprachgebrauch Eigenschaften, die als erstrebenswert oder als moralisch gut betrachtet werden. Es geht um Eigenschaften und Qualitäten, um Objekte und Ideen, um praktische und sittliche Ideale, um Handlungsmuster oder Charaktereigenschaften. Doch wer legt fest, was gut und erstrebenswert ist? Die Religion? Die Gesellschaft? Der Einzelne? Der Zeitgeist oder gar ein Trend? Und was ist eigentlich gut? Wie definiert man „gut“?

Der Werte-Begriff erfährt beispielsweise in der Volkswirtschaftslehre, in der Betriebswirtschaft oder in der Finanzwirtschaft eine komplett andere inhaltliche Bedeutungszuweisung als in den Geisteswissenschaften.

Das Ziel ökonomischen Handelns ist es, eine höchstmögliche materielle betriebliche Wertschöpfung (= Gewinn) zu erzielen. In der Ethik geht es um das Schaffen ideeller Werte.

Vertreter einer Philosophie der Werte sind der Ansicht, dass die Wertfrage bereits seit den Anfängen des philosophischen Denkens gestellt wurden. So finden sich die Fragen nach Charakter und Seinsweise beispielsweise in der Nikomachischen Güterethik des Aristoteles. Die antike Güteethik aristotelischen Ursprungs wurde in der Theologie aufgegriffen und im Rahmen der Moraltheologie weitergeführt.

Die Bedeutung des Wertbegriffs verändert sich aber, je nachdem ob die Wertzuschreibung

  • von Einzelnen,
  • von sozialen Akteuren
  • oder von einer Gesellschaft erfolgt

und ob sie als

  • objektive Erkenntnis – wer auch immer das festlegt???
  • oder als subjektive Haltung verstanden wird.

Ein IS-Kämpfer, der basierend auf seiner Wertevorstellung sich selbst und andere tötet, handelt konsequent im Rahmen seiner Werte. Und ein US-Präsident, der mit Hilfe von Drohnen Menschen tötet, um in einer bestimmten Region sogenannte „Feinde der Demokratie“ oder „die Achse des Bösen“ zu eliminieren, handelt streng im Rahmen seiner Werte, wonach im 2. Fall der Wert „Dursetzung demokratischer Strukturen“ alle anderen Handlungen rechtfertigt.

Was ist also an Werten gut? Sind meine Werte besser als die Werte der Anderen?

Die Basis der jeweiligen Wertvorstellung liegt in der jeweiligen Gesellschaft. Sie ist historisch gewachsen und bedient sich fest definierter Autoritäten – politisch, gesellschaftlich, philosophisch oder religiös. Im Zusammenspiel der unterschiedlichen Werte bildet sich ein Wertesystem bzw. eine Werteordnung mit einer gewichteten Werte-Hierarchie.

Wird diese Werteordnung mit dem alleinigen Anspruch auf Wahrheit verknüpft wird sie zur Ideologie, die sich allen anderen Werteordnungen unterordnen muss.

Doch kommen wir zum Thema Moral.

Der deutsche Ausdruck „Moral“ geht auf das lateinische „moralis“ (die Sitte betreffend) zurück, und wird beispielsweise in dem von Cicero neugeprägten Ausdruck Philosophia Moralis verwendet.

Moral beschrieb ursprünglich wie Menschen faktisch handeln und welches Handeln in bestimmten Situationen erwartet bzw. für richtig gehalten wird.

Dieser rein deskriptive Bedeutungsaspekt einer Moral wird auch als Sittlichkeit oder Ethos bezeichnet. Er umfasst „regulierende Urteile und geregelte Verhaltensweisen“, ohne dass die rationale oder moraltheoretische Rechtfertigung derselben beurteilt oder bewertet wird.

Der im letzten Jahr verstorbene Biologe Hans Mohr, einer der Vertreter der biologischen Wissenschaftstheorie, stellte die These auf: „Wir brauchen moralisches Verhalten nicht zu lernen – es ist eine angeborene Disposition, die uns befähigt, das moralisch Richtige zu treffen.“

Schön wäre es. Die konkreten Moralvorstellungen eines Menschen sind kulturell geprägt. Sie äußern sich etwa in

  • der „goldenen Regel“ – Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst,
  • in religiösen Handlungsvorschriften (etwa die Zehn Gebote im Christentum, die Fünf Silas im Buddhismus oder die Traumzeit-Mythologie der australischen Aborigines)
  • aber auch in den Rechtsnormen der Staaten.

Das Interessante an der goldenen Regel ist der Perspektivenwechsel. Sie macht das Sich-Hineinversetzen in die Lage Betroffener zum Kriterium für moralisches Handeln. Das gilt als Schritt zu ethischer Eigenverantwortungmit der Möglichkeit zur Selbstkorrektur.

Die goldene Regel enthält aber keine inhaltliche Norm für richtiges oder falsches Verhalten. Dies gilt gleichermaßen für den kategorischen Imperativ eines Emanuel Kant.

Ist es sinnvoll, wenn die eigene Wertevorstellung zum bestimmenden Faktor des Handelns wird? Die Konsequenzen sehen wir tagtäglich in den Nachrichten.

Die Entscheidungen über Werte sind konstitutive Elemente einer Kultur. Sie dienen der Definition und Identifikation mit einem Sozialsystem, einer Gruppe oder einer Gesellschaft.

Umgekehrt ist die Kultur das Medium, in dem Wertvorstellungen weitergegeben und verändert werden können, entweder durch direkte Vermittlung von Wertentscheidungen (z.B. Erziehung), durch Gewohnheiten, Bräuche etc.

Modern ist ja gerade das Thema Integration, also die Anpassung von Menschen aus einem anderen Wertesystem an das lokal bestehende.

Der vor zwei Jahren verstorbene polnische Philosoph, Logiker und Mönch Bochenski unterschied 1959 drei Gruppen immaterieller Werte, die man durch sein Verhalten verwirklichen kann: die moralischen, die ästhetischen und die religiösen.

  • Die moralischen Werte sind Forderung zur Tat; sie enthalten das Tun-Sollen.
  • Die ästhetischen Werte enthalten das Sein-Sollen.
  • Die religiösen Werte als Verbindung moralischer und ästhetischer Werte berücksichtigen auch das Nicht-Sein-Sollen und das Nicht-Tun-Sollen und geben es in Form der Sünde an.

In der jüngeren Diskussion sind die Versuche, Werte ontologisch oder anthropologisch zu begründen, stark in die Kritik geraten. So argumentiert der Freiburger Philosoph Andreas Urs im Sommer 2016: „Werte sind „regulative Fiktionen“, die je nach den individuellen und sozialen Bedürfnissen immer wieder umgestaltet werden. Die Vorstellungen ewiger, für sich bestehender Werte weist Urs zurück, ohne jedoch einen Werteverfall zu diagnostizieren. Werte seien notwendig und begrüßenswert. Kurzum – Werte nützendem gesellschaftlichen Zusammenhalt und der individuellen Identität.

Ein mit der Kultur vermittelter Wert dient als Richtlinie für den Menschen zum Verständnis bzw. zur Erkenntnis der Welt und wird infolgedessen bei der Planung des Verhaltens zur Prämisse. Werte geben Dingen oder Menschen eigene Bezugspunkte und wirken somit sowohl anziehend als auch abstoßend.

Es geht also um das Konstrukt einer Individuum-Welt-Beziehung. Dabei wird der Wert entweder als Komplex von Wirkungsfaktoren der Welt auf das Lebewesen wahrgenommen oder als Konzept des Individuums zur Gestaltung der Welt verwendet.

Der Psychoanalytiker Victor E. Frankl bezeichnete in diesem Zusammenhang Werte als Basis für eine umfassende Sinnmöglichkeit. Das bedeutet, Werte dienen der gesellschaftlichen und individuellen Motivation.

Aus Werten lassen sich soziale Normen, also konkrete Vorschriften für das Handeln ableiten. Und hier liegt eine der Quellen des Konflikts. Werte und die daraus resultierenden Handlungs-Vorschriften wandeln sich im Laufe der Zeit. Die Ursachen für den Wertewandel sind vielfältig (veränderte Umweltbedingungen, Konflikthaltung gegenüber anderen Generationen usw.). Betrachtet man Werte abstrakt für sich, so treten sie in konkreten Situationen miteinander in Konflikt. Es ist dann nicht möglich, sich so zu verhalten, dass man allen Werten gleichzeitig gerecht wird.
 

So steht beispielsweise der Wert des Wohlstands im Konflikt mit dem Wert der Nachhaltigkeit oder der Wert der individuellen Freiheit mit anderen Werten, etwa der Gleichheit.

Wilhelm Gerbert

Warum bringen Scherben Glück?

Entdecke deine Chance – Auch im Angesicht unklarer Kommunikation!

Bitte schließe für einen Moment die Augen. Keine Sorge, du darfst sie gleich wieder öffnen.

Erinnerst du dich an das erste klirrende Geräusch von zerbrochenem Glas in deinem Leben? Wie haben deine Eltern, wie hat dein Umfeld reagiert? Wahrscheinlich mit Schimpfen. Und doch war es der Beginn von etwas Neuem – eine verborgene Chance.

Genau hier beginnt das Problem der Kommunikation: Das klirrende Geräusch ist klar, aber die Reaktion darauf – Schimpfen – war oft eine falsch verstandene Kommunikation. Man sah den Verlust, nicht die Möglichkeit. Man fokussierte sich auf das Zerbrochene, anstatt die Tür zum Neuanfang zu sehen.

Ein Gesprächspartner sagt „EtWaS“ und der der andere Gesprächspartner versteht „etwas“. Siehst du den Unterschied? Hast du diesen Unterschied auch gehört?

Hast du gefragt, ob du das „etwas“ richtig verstanden hast?
Was hast du alles gehört, was jemand gesagt haben soll?

Schon die alten Ägypter wussten um die transformative Kraft von „Scherben“. Beim Scherbengericht ritzten sie Namen unliebsamer Personen auf Tonscherben. Die Person, deren Name am häufigsten auftauchte, wurde für zehn Jahre verbannt. Für ihr Umfeld bedeutete das Glück: Es war ein Neuanfang, eine Reinigung von Belastendem. Das war eine klare, wenn auch harte, Form der Kommunikation.

Möglicherweise hätte alles gar nicht so weit führen sollen!

Auch heute noch feiern wir in einigen Kulturen vor Hochzeiten den Polterabend. Ein riesiger Scherbenhaufen entsteht, um böse Geister zu vertreiben. Doch das tiefere, viel wichtigere Ziel ist es, dem zukünftigen Paar Glück zu bringen!

Ich werde dir jetzt zeigen, warum auch DU durch „Scherben“ Glück finden kannst.

Die Symbolik der Neuanfänge – Das freimaurerische Geschehen:

Symbole sind mächtig, weil sie uns ermöglichen, eine Bedeutung emotional und geistig aufzunehmen und zu erleben. Wir verbinden uns mit ihnen, lassen uns auf ihre Botschaft ein. Das bedeutet: Wir müssen selbst aktiv werden.

Erinnerst du dich an die erste Tasse oder den ersten Teller, die dir herunterfielen? Hast du oder jemand anderes versucht, sie zu retten, indem ihr sie geklebt habt? Sie werden nie wieder ganz sein. Es wird immer eine Scherbe fehlen, eine Lücke bleiben. So ist es oft im Berufsleben und leider auch in Beziehungen: Erinnerungen an das Zerbrochene bleiben – oft das Ergebnis unklarer Kommunikation, die Risse hinterlassen hat.

In der Freimaurerei ist die Arbeit am rauen Stein ein zentrales Symbol. Dieser raue, unvollkommene Stein (der Mensch) muss durch stetige Arbeit, durch „behauen“, zum kubischen Stein (dem Ideal) geformt werden. Der Scherbenhaufen kann hier als ein notwendiger Akt des „Abhauens“ alter, unbrauchbarer Teile verstanden werden. Das Zerbrechen ist nicht das Ende, sondern der Prozess, der den unbrauchbaren rauen Stein in die Form bringt, die für den Bau (des Tempels der Humanität/der Persönlichkeit) notwendig ist. Die unklare Kommunikation stellt dabei die Unregelmäßigkeiten und Risse dar, die weggemeißelt werden müssen, um Klarheit und neue Stabilität zu gewinnen.

Doch diese Erinnerungen müssen dich nicht belasten! Die Familien der in Ägypten Verbannten lebten weiter, ihr Besitz blieb intakt. Trotzdem entstand aus der Verbannung ein glücklicher Zustand. Warum? Weil es die Chance für einen Neuanfang war.

Kehre den Scherbenhaufen weg – und starte neu!

Egal, was zerbrochen ist – sei es eine Beziehung, ein Karriereweg oder eine Kommunikationsbasis – dein „Scherbenhaufen“ kann immer ein Neustart sein, wenn du es zulässt. Nutze diese Chance! Der Versuch, etwas zu retten, das nicht mehr zu retten ist, ist verlorene Zeit. Das Festhalten an der zerbrochenen Situation ist die wahre unklare Kommunikation mit dir selbst.

Dein Kind bekommt einen neuen, größeren Teller, eine neue, robustere Tasse. Die Ägypter erhielten für zehn Jahre eine verlässlichere und erfahrenere Person. Eine Ehe ist der Anfang eines neuen Lebens. Und jede neue Aufgabe, jeder neue Job ist eine Chance für dich, dich zu entwickeln und über dich hinauszuwachsen.

Und wie ist es mi der freimaurerischen Lehre der Brüderlichkeit?

Die Freimaurerei betont die Kette der Brüderlichkeit. Wenn ein Glied dieser Kette (ein Bruder) durch eine Krise (den Scherbenhaufen) geht, ist die Aufgabe der Gemeinschaft nicht das Verurteilen (wie das anfängliche Schimpfen der Eltern), sondern das Stärken des Neuanfangs. Das Ziel ist es, den Bruder durch klare, aufbauende Gespräche und gemeinsame Arbeit am „Bau“ (der Gesellschaft und der eigenen Persönlichkeit) zu unterstützen. Schlechte oder falsch verstandene Kommunikation wird bewusst durch Laut-Denken und das Ringen um Wahrheit und Erkenntnis ersetzt. Der Scherbenhaufen ist die Chance, sich auf das Wesentliche, das Symbolische, zu besinnen und sich neu zu „verbinden“ (symbállein).

Die Geschichte lehrt uns: Schon immer gab es Menschen, die Dinge bewegt haben. Eine „Elite“ – Könige, Politiker, Künstler, Priester, Denker – die für andere etwas bewirkten. Und zur gleichen Zeit ackerten die meisten Menschen auf den Feldern.

Doch heute hast du die Macht zu wählen, auf welcher Seite du leben möchtest! Du musst in der Freimaurerei kein König sein, um etwas zu bewegen.

Unser Scherbenhaufen ist unsere Stärke

Der Blick zurück hat mich auf viele Dinge aufmerksam gemacht.

Der „Scherbenhaufen“ der letzten Jahre mag uns herausfordern. Doch es ist genug! Lasst uns ihn wegkehren! Wir können jetzt beginnen, die Verantwortung für alles zu übernehmen. Lasst und die unklare Kommunikation stoppen! Lasst uns die Verantwortung für unser Tun zu übernehmen. Es ist einfacher, als wir denken!

Brüderlichkeit, Freiheit, Toleranz sind keine oberflächlichen Floskeln – wir leben sie täglich aus.

Müssen etwas jetzt „etwas“ tun?

Möglicherweise ja: Den Scherbenhaufen wegkehren! Das ist alles.

Was wirst du also jetzt als Erstes tun?

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Offener Brief an alle Freimaurer in Deutschland

Eine Einladung zum Umdenken und zur Stärkung unserer Werte

Liebe Brüder, liebe Schwester, inmitten der vielen Herausforderungen unserer Zeit ist es wichtig, dass wir uns immer wieder auf die Grundpfeiler einer gesunden und menschlichen Gesellschaft besinnen.

Vielleicht ist dies eine Gelegenheit, nicht nur intern zu reflektieren, sondern auch als Gemeinschaft ein starkes, unerschütterliches Bekenntnis zu unseren Werten abzugeben. Nur so können wir sicherstellen, dass wir auch in Zukunft ein Leuchtturm der Brüderlichkeit, des Friedens und der Menschlichkeit bleiben.

Wenn wir von Pathokratie sprechen, ist es weniger eine Anschuldigung, sondern vielmehr eine Einladung, die psychologischen und sozialen Dynamiken zu verstehen, die unser Miteinander formen.

Pathokratie wird als ein Regierungssystem beschrieben, in dem „eine kleine pathologische Minderheit die Kontrolle über eine Gesellschaft normaler Menschen übernimmt“. Hierbei handelt es sich um einen schleichenden Prozess, bei dem spezifische psychologische und soziale Muster dazu führen, dass Machtstrukturen infiltriert und verfestigt werden.

Das Wort „pathologisch“ selbst leitet sich aus dem Griechischen ab – von pathos (Leiden, Krankheit) und logos (Wort, Vernunft). Es beschreibt eine Art von „kranker Logik“ oder ungesunder Vernunft, die sich in verschiedenen Bereichen unseres Lebens manifestieren kann. Wenn wir diese Konzepte auf Gesellschaften und Organisationen anwenden, erkennen wir die möglichen Nachteile und Konsequenzen:

  • Erosion demokratischer Prinzipien: Es droht der Verlust von Meinungsfreiheit und der Übergang zu autoritären Strukturen.
  • Gesellschaftlicher Rückfall: Wir sehen eine Zunahme von extremer Polarisierung, Irrationalität und Intoleranz.
  • Klima der Angst und Unterwerfung: Ein solches Umfeld kann die Anpassung erzwingen und zu einem kollektiven Trauma führen.

Ein Blick in der deutschen Freimaurerei

Historisch gesehen war die Freimaurerei niemals eine Quelle von Pathokratie, sondern vielmehr ein häufiges Ziel pathokratischer Regime. Denken wir nur an die Verfolgung durch die Nationalsozialisten, als Freimaurer zusammen mit anderen Gruppen als „Feinde der deutschen Rasse“ diffamiert und verfolgt wurden. Ihre Logen wurden verboten, ihr Eigentum konfisziert und ihre Mitglieder in Konzentrationslager inhaftiert. Die Folgen dieses Traumas wirken bis heute nach.

Die Entwicklung der Freimaurerei in Deutschland

Aus dieser Geschichte heraus ist es umso schmerzlicher, wenn wir Entwicklungen beobachten, die scheinbar den Grundprinzipien der Freimaurerei widersprechen. Die Befürchtung, dass das demokratische Verständnis verloren gehen könnte, dass die Meinungsfreiheit unterdrückt wird, und dass die grundlegenden Werte wie Bruderschaft, Freiheit und Gleichheit erodieren, ist zutiefst berechtigt.

Es fällt schwer zu glauben, dass eine Organisation, die sich so klar zu Toleranz und Humanität bekennt, von diesem Weg abkommen könnte. Doch wenn wir diese Anzeichen ernst nehmen, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich zu fragen, was wir tun können, um unsere Prinzipien zu stärken.

Ich möchte uns noch einmal daran erinnern

Vielleicht ist dies eine Gelegenheit, nicht nur intern zu reflektieren, sondern auch als Gemeinschaft ein starkes, unerschütterliches Bekenntnis zu unseren Werten abzugeben. Nur so können wir sicherstellen, dass wir auch in Zukunft ein Leuchtturm der Brüderlichkeit, des Friedens und der Menschlichkeit bleiben.

Ovidiu Bretan

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