Vom Wesen der Endlichkeit und der freimaurerischen Kunst zu leben
„Was ist Zeit? Wenn mich niemand fragt, weiß ich es. Wenn ich es jemandem erklären will, weiß ich es nicht.“ Mit diesem berühmten Ausspruch brachte Augustin bereits vor über 1600 Jahren unsere fundamentale Not mit einem Begriff auf den Punkt, der unser gesamtes Dasein durchzieht.
Das Rad der Zeit dreht sich unaufhaltsam. Wir können es weder verlangsamen noch anhalten. Wir blicken auf die Uhr, messen Fristen und spüren, wie die Gegenwart im selben Moment verstreicht, in dem wir sie greifen wollen. Strenge genommen gibt es die Gegenwart gar nicht – sie wird augenblicklich zu Vergangenheit. Mit der Zivilisation und der Industrialisierung haben wir die Zeit strukturiert, um unser Zusammenleben zu ordnen. Doch je genauer wir die Zeit messen, desto mehr unterwerfen wir uns ihr.
Martin Heidegger brachte diese existenzielle Erfahrung auf den Punkt: Die Zeitlichkeit prägt das Menschsein zutiefst. Weil unser Dasein auf ein unentrinnbares Ende – den Tod – zuläuft, ist Zeit von Grund auf knapp. Jede Eile, jeder Termindruck der Moderne ist letztlich das Echo dieser existenziellen Knappheit.
Doch wie begegnen wir dieser Endlichkeit?
Die Antike antwortete mit Horaz’ berühmtem Appell: Carpe diem – pflücke den Tag! Nutze die Zeit, solange sie dir gegeben ist. Zeit lässt sich nicht stunden. Aber Zeit lässt sich füllen. Wir können sie vergeuden – oder wir können sie verschenken: an die Familie, an Freunde, an Mitmenschen. Zeit zu schenken ist vielleicht das kostbarste Gut, das wir besitzen.
Für uns Freimaurer bekommt dieser Gedanke eine ganz besondere Tiefe. In der Arbeit an uns selbst begleitet uns das Bewusstsein der Endlichkeit Schritt für Schritt:
Bei der Initiation mahnt uns die Sanduhr an den stetigen, unaufhaltsamen Fluss des Lebens.
Im Ritual hören wir die Frage nach der Zeit. Die Zeit des stärksten Lichts, die Symbolik der Reife, in der wir aufgerufen sind, unser Werk zu beginnen.
Und während das persönliche Leben endlich ist und die Brüder irgendwann in den ewigen Osten eingehen, steht die Freimaurerei zugleich in einem zeitlosen Horizont. Der Bau des inneren Tempels braucht Zeit – er ist ein lebenslanger, Generationen überdauernder Prozess.
Wir stehen also in dem Spannungsfeld zwischen unserer kurzen Lebenszeit und der unendlichen Weltzeit. Zerbrechen wir an dieser Erkenntnis? Nein. Die Einsicht in unsere Begrenztheit schützt uns vor dem Hadern. Sie ruft uns auf, mit Verstand und Herz im Hier und Jetzt zu wirken.
Ich möchte schließen mit den Worten von Rainer Maria Rilke:
„Wunderliches Wort: ‚Die Zeit vertreiben‘ – sie zu halten, wäre das Problem.“
Da wir sie nicht halten können, bleibt uns die Aufgabe, sie zu füllen – mit Sinn, mit Selbsterkenntnis und mit Menschlichkeit. Nutzen wir die Zeit, die uns gegeben ist.
unser Leben entfaltet sich nicht im zufälligen Raum, sondern in einer Ordnung, die wir selbst gestalten. Blicken wir auf das Quadrat: Es steht mit seinen vier rechten Winkeln fest auf der Erde. Es ist unser Hier und Jetzt, unser abgestecktes Feld, der Grundriss unseres Hauses. Das Quadrat gibt uns Halt, Ruhe und Struktur. Es lädt uns ein, uns niederzulassen und Wurzeln zu schlagen. Doch die Härte und Schwere der Erde ist nur der Anfang – sie ist das Fundament, auf dem wir stehen, nicht die Grenze unseres Geistes.
Wenn wir den Blick heben, begegnet uns das Dreieck. Es bringt Bewegung in die Statik. Das Dreieck zieht uns in ein dynamisches Spannungsfeld – zwischen Körper, Geist und Seele, zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wo Kräfte uns zu zerreißen drohen, schenkt uns die Drei die Fähigkeit zur Balance. Sie leistet die große Vermittlung: Aus These und Antithese erhebt sich auf einer höheren Ebene die Synthese. Das Dreieck lehrt uns, Spannungen nicht zu fürchten, sondern sie in Harmonie zu verwandeln.
Und wo steht darin der Mensch? Er wirkt im Raum des Sechsecks, wo sich Ordnung und Dynamik durchdringen. Greifen wir zu unseren Werkzeugen – zum Winkelmaß, das uns richtet, zum Zirkel, der unser Verhältnis zur Welt bemisst, zum Lot, das uns in die Tiefe führt, und zum Maßstab unserer Tage. Unter dem Flammenden Stern, zwischen Sonne und Mond, auf dem musivischen Pflaster gegensätzlicher Erfahrungen bauen wir an den drei Säulen unseres Daseins.
Denken wir daran: Unsere Arbeit ist keine kühle Wissenschaft. Sie ist reine, Königliche Kunst. Sie lebt nicht vom reinen Logos allein. Erst wo sich der verstandesmäßige Logos mit der tieferen Weisheit des Mythos verbindet, entsteht das vollständige Werk. Lasst uns mit fester Haltung auf unserem Quadrat stehen, die Kräfte des Dreiecks mutig ausbalancieren und als gestaltende Menschen das Werk unseres Lebens zur Vollendung führen!
Wer kann heute noch von sich behaupten, die absolute Wahrheit gefunden zu haben? In einer Welt voller lautstarker Antworten und scheinbar fixer Gewissheiten tut eine Frage besonders gut: Bin ich ein Suchender? Das Zugeständnis, nicht alles zu wissen, ist keine Schwäche – es ist der mutige Beginn einer tiefen, lebensverändernden Transformation.
Schon das alte Wort „Suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgemacht“ erinnert uns daran, dass Orientierung nicht jenen zufällt, die verharren, sondern jenen, die sich aktiv auf den Weg machen. Ein Suchender zu sein bedeutet, den eigenen Geist schärfen zu wollen und das Leben nicht bloß verstreichen zu lassen, sondern es bewusst zu gestalten.
Die Arbeit an sich selbst ist kein kurzes Projekt, sondern ein neuer Lebensabschnitt. Dieser Pfad entfaltet seine Kraft durch konkrete innere Reifeschritte.
Dazu gehört die Überwindung von Eitelkeit und Geltungsbedürfnis. Denn wer aufhört, ständig nach äußerer Bestätigung zu suchen, gewinnt eine unerschütterliche innere Freiheit. Das eigene Selbstwertgefühl wird unabhängig von den Blicken anderer.
Wie wäre es deine Zeit mit Maß und Weisheit zu füllen? Zeit ist die wertvollste Ressource, die wir besitzen. Sie nicht in Trivialitäten zu verlieren, sondern bewusst für Wachstum, Tiefe und wesentliche Erkenntnisse zu nutzen, verleiht jedem Tag eine neue Qualität.
Einige „suchen“ den Geist als Werkzeug zu verstehen. Der Verstand muss nicht unser Herrscher sein, sondern ein präzises Werkzeug auf dem Weg zur Selbsterkenntnis. Beobachten, hinterfragen und klar denken – so wird der Geist zum verlässlichen Kompass.
Und wiederum andere wollen die Endlichkeit als Lehrmeister annehmen. Die Gewissheit, dass alles endlich ist und wir am Ende in den Schoß der Erde zurückkehren, nimmt weltlichen Dingen ihre übertriebene Schwere. Diese Erkenntnis macht nicht melancholisch, sondern schenkt dem gegenwärtigen Moment Klarheit und Entschlossenheit.
Wer sich entscheidet, diesen Weg zu gehen, hört auf, ein passiver Zuschauer seines Lebens zu sein. Das Suchen selbst wird zum Ziel – und jeder Schritt der Selbsterkenntnis bringt eine tiefe, unvergleichliche innere Ruhe.
Welcher dieser Lernschritte fordert dich in deinem Alltag aktuell am meisten heraus?
Wie Aristoteles sagte: „Unser Herz ist ein fruchtbarer Boden, den wir mit guten Taten besäen können“ – dies ist die tiefe Bedeutung der Frühlings-Tagundnachtgleiche. Es ist der heilige Moment, in dem wir uns entscheiden, alles loszulassen, was uns nicht mehr dient, und uns den neuen Möglichkeiten öffnen, die das Leben uns bietet. Es ist an der Zeit, Ideen in die Realität umzusetzen, unsere Träume zu nähren und die Samen für eine hoffnungsvolle Zukunft zu säen.
Im Wesentlichen lädt uns die Frühlings-Tagundnachtgleiche ein, uns wieder mit unserem eigenen Geist und der Natur in einem ewigen Kreislauf des Lebens zu verbinden und so unser Engagement zu erneuern, zu wachsen und Schönheit in die Welt zu bringen, in der wir leben.
Die Frühlings-Tagundnachtgleiche ist vor allem eine jährliche Feier der Projekte, die zum Leben erwachen, und des Impulses, neu zu erschaffen, weit über die Bedeutung eines astronomischen Augenblicks hinaus. Unabhängig von unserem Glauben ist dies der Punkt, an dem wir den Triumph des Lichts über die Dunkelheit und des Lebens über den Tod verherrlichen. Es ist nicht mehr Winter, aber auch noch nicht Sommer… Während die Sonne nun in das Zeichen des Widders eintritt und der Samen sich verwandelt, um den Keim freizusetzen, der die feuchte Erde durchbrechen wird, haben wir uns heute im Orient Bukarest versammelt, um die Freude am Leben zu preisen.
Zweimal im Jahr schenkt uns die Natur besondere Momente, in denen Tag und Nacht in perfektem Gleichgewicht stehen. Dieses kosmische Gleichgewicht, das überall wahrnehmbar ist, übersteigt die astronomische Realität und wird zum mächtigen Symbol für jede Einweihungstradition. In der Freimaurerei steht das Gleichgewicht im Mittelpunkt des spirituellen Strebens, denn der Eingeweihte sucht weder das Übermaß an Licht, noch verliert er sich in der Dunkelheit; er lernt, zwischen den Extremen zu wandeln, in der Erkenntnis, dass die Wahrheit im rechten Maß zu finden ist.
Die Tagundnachtgleiche erinnert uns so daran, dass die Harmonie der Welt auf der fruchtbaren Spannung zwischen Gegensätzen beruht: Während das Licht offenbart und der Schatten schützt, verwandelt das Handeln und erleuchtet die Reflexion. Der Freimaurer ist eingeladen, den Gleichgewichtspunkt zu finden, an dem diese Kräfte aufhören, sich entgegenzustehen, und komplementär werden – denn das Gleichgewicht ist die Tugend, die es uns ermöglicht, die Keime zu stützen, die nach den Herausforderungen des Winters sprießen. Nichts auf Erden ist ewig, nicht einmal die Macht oder die Arroganz, sie zu besitzen…
Wenn die Frühlings-Tagundnachtgleiche eintrifft, gewinnt das Licht an Boden gegenüber der Dunkelheit, die Natur erwacht, die Kreisläufe des Lebens gewinnen an Kraft und die Energie fließt erneut durch unser Universum. Auf symbolischer Ebene evoziert diese Zeit den Elan des Beginns und erinnert den Freimaurer daran, seine Werkzeuge wiederaufzunehmen und die Arbeit an seinem Rauen Stein fortzusetzen. Doch dieser Elan muss unter Kontrolle bleiben, denn Enthusiasmus, so edel er auch sein mag, kann Chaos erzeugen, wenn er nicht von Reflexion geleitet wird. Der Beginn des Frühlings lädt daher zu entschlossenem Handeln ein, während man sich der eigenen Grenzen stets bewusst bleibt.
Bauen erfordert Geduld, denn der Stein wird nicht in Eile behauen oder poliert. Der freimaurerische Tempel stellt einen Raum dar, der vom Tumult der Welt losgelöst ist, in dem symbolisch gearbeitet wird, geschützt vor jeglichen profanen Versuchungen, um sich besser auf das Wesentliche konzentrieren zu können. Die Tagundnachtgleiche kann als Orientierungspunkt dieser inneren Arbeit gesehen werden, der uns daran erinnert, dass der ergriffene Fortschritt ebenfalls Phasen der Neuordnung folgt. So wie die Natur zwischen Wachstum und Stillstand abwechselt, erfordert der freimaurerische Weg sowohl Engagement als auch Innehalten.
Jenseits ihrer astronomischen Dimension vermittelt die Tagundnachtgleiche eine wahre Lektion der Weisheit… Sie zeigt uns, dass das Licht nur Sinn ergibt, weil es mit dem Schatten im Dialog steht, dass Handeln durch Reflexion ausgeglichen werden muss und dass der schöpferische Elan von innerer Disziplin begleitet sein muss, da der spirituelle Fortschritt auf der ständigen Suche nach Harmonie beruht.
So wird die Tagundnachtgleiche zu einer Einladung, das innere Gleichgewicht wiederherzustellen, und erinnert den Freimaurer an den Wert des Maßes, der Gerechtigkeit und der Harmonie in einer Welt, die von Exzessen beherrscht wird. Dieses Gleichgewicht zu finden, ist eine tägliche Übung, kein endgültiger Zustand, denn wie Tag und Nacht werden Licht und Schatten einander immer antworten. Und aus diesem Wechsel lernt der Eingeweihte, sein eigenes Licht zu bauen…
Lassen wir also die alten Lasten hinter uns, die unsere Arbeit erschweren, und schreiten wir mit Inbrunst auf das Schicksal zu, dessen einziger Herr wir sind, denn von nun an ist alles möglich. Mögen unsere Handlungen aus dem Herzen entspringen, während wir uns darauf vorbereiten, der Zukunft zu begegnen!
Die Sonne beginnt ihren Aufstieg zum Höhepunkt der Sommersonnenwende, und die langen Wintermonate, die wir im Dunkeln verbracht haben, boten uns die Gelegenheit, die Erfahrungen und Fehler der Vergangenheit zu analysieren und über unser eigenes Schicksal zu meditieren. Diese Selbstbeobachtung hat uns geholfen, das Werk zu verstehen, das notwendig ist, um das zu sammeln, was in uns zerstreut ist.
Wir leben in einer Zeit der Zerbrechlichkeit… unsere Triebe sind verwundbar, genau wie unsere innere Entwicklung. Der „alte Mensch“ widersetzt sich dem Wandel und versucht, uns zurück in die Dunkelheit zu ziehen… Deshalb müssen wir wachsam und beharrlich sein und zulassen, dass der Saft der Erkenntnis die Samen unseres Geistes nährt, die für den Bau des inneren Tempels notwendig sind.
Heute erreicht der ewige Kampf zwischen Licht und Dunkelheit eine perfekte Harmonie. Doch ab morgen wird das Licht jeden Tag wachsen und seine Wohltaten über alle ausgießen. Seien wir uns bewusst, dass der Kampf periodisch ist und die Finsternis zurückkehren wird. Bleiben wir vereint in der Verteidigung der Sonne und des Lebens, bereit zu kämpfen, damit die Dunkelheit nicht siegt.
Die Tagundnachtgleiche ist der ideale Moment, um einen Schritt voran zu gehen und das Engagement gegenüber sich selbst, der Bruderschaft und dem Gemeinwohl zu bekräftigen. Das Licht des Frühlings ist nicht nur die physische Rückkehr der Sonne, sondern auch eine Aufforderung, die Wahrheit zu suchen und zu einer gerechteren und harmonischeren Welt beizutragen.
Ich wünsche allen Mitgliedern eine Zeit fruchtbarer Reflexion. Geben wir der Zeit einen Sinn, ohne einen Augenblick zu verschwenden, in der Hoffnung, dass jeder die Früchte seiner Arbeit ernten kann. Wenn diese gut ausgerichtet ist, wird sie zum Fortschritt der Menschheit führen, der wir alle angehören. Vergesst nicht, dass die Nationale Großloge von Rumänien eine Obödienz mit einem bedeutenden Weg und einer klaren Perspektive für die Zukunft ist.
Und oft ist das nur eine Ilusion – wie die beiden Bilder.
Ein kurzes Wortgefecht, zwei verhärtete Fronten: „Corona war eine Lüge!“ – „Wer das sagt, gefährdet Leben!“ Und schon ist das Gespräch vorbei. Kein Interesse am Gegenüber, nur noch Schwarz oder Weiß. Jeder will nur Recht haben, ohne die Wahrheit zu kennen.
Wir erleben heute eine Kultur der unnötigen Rechthaberei. Oft streiten wir bis aufs Messer darüber, ob eine Fliese nun schwarz oder weiß ist, dabei übersieht unser Tunnelblick das Wesentliche: Keiner von uns kennt die ganze Wahrheit.
Das Musivische Pflaster als ein Bild für Demut
Die Freimaurerei nutzt dafür das Musivische Pflaster – ein Mosaik aus schwarzen und weißen Steinen. Es ist ein Symbol unserer Gesellschaft. Das Wichtige daran? Ein einzelner Stein ist noch kein Muster. Erst das Zusammenspiel der Gegensätze ergibt ein Ganzes.
Heute jedoch bröckelt dieses Mosaik. Wir streiten nicht mehr um die beste Lösung, sondern um die angeblich moralische Überlegenheit.
Wir sind in der Falle der Gewissheit, denn wer sich absolut sicher ist, verliert die Neugier.
Wir glauben die starke fehlerhafte digitale Blase. Algorithmen füttern unser Ego und flüstern uns ein, dass nur wir recht haben. 50% – 60% sicher ist ein Trend und nicht eine Sicherheit.
Müssen wir die Mitte verlieren? Wer differenziert, wird leise. Wer polemisiert, bekommt die Bühne, und verliert, denn er von dem Anderen auch nichts lernen wird.
Die Wahrheit, auch deine Wahrheit liegt in den Zwischentönen, und ist nur deine Wahrheit.
Byung-Chul Han – zeitgenössische Philosoph – beschreibt in seinem Buch „Vom Verschwinden der Rituale“ treffend, dass uns das „Andere“ abhandenkommt. Als erstes zu lesende Buch von ihm empfiehlt sich „Im Schwarm“.
Wir kommunizieren nur noch mit unserem eigenen Spiegelbild. Doch Brüderlichkeit und Freiheit und damit echtes Miteinander brauchen Reibung.
Es geht nicht darum, jede Meinung zu teilen. Es geht darum, die Arroganz abzulegen, die Welt allein erklären zu können. Ob es um Identitätsfragen, Geopolitik, Armut auf der Welt oder die Pandemie geht: Wir urteilen oft aus einer bequemen Position heraus, ohne die „hundert Schritte in den Schuhen des anderen“ gegangen zu sein.
Ein neuer Weg könnte über das „Stehenlassen“ geführt werden.
Was können wir tun, damit das Mosaik nicht weiter zerbricht?
Wie wäre es mit Zuhören statt Siegen: Ein Gespräch muss keinen Gewinner haben.
Akzeptieren, dass es zwischen Schwarz und Weiß unendlich viele Nuancen gibt.
Wie wäre es mal mit einem Perspektivwechsel. Wie wäre mal auf die Seite meines Gegenübers zu wechseln? Was ist seine Geschichte?
Mein Ziel: Nicht zu werten, sondern nachzuvollziehen. Gerade sollten uns daran erinnern tolerant zu sein, und müssen lernen, Meinungen auch dann auszuhalten, wenn sie uns unbequem sind.
Sei selbst ein mutiger Mosaikstein: offen, neugierig und bereit zuzugeben, dass die Wahrheit meist viel größer ist als unser eigener Standpunkt. Sei ein Freimaurer.
Der Brand im Logengebäude am Lindenhof trifft uns ins Herz. Es brennen dort nicht nur Mauern und historisches Inventar; es brennen die handschriftlichen Spuren jener, die vor uns nach Anständigkeit und gesellschaftlichem Dienst strebten.
Die Tat und ihre Schatten
Dass die Ermittlungen auf Brandstiftung hindeuten, ist erschütternd. Ein gezielter Angriff auf einen Ort des Dialogs ist immer auch ein Angriff auf die Fundamente unserer liberalen Gesellschaft. Doch fast noch gefährlicher als das Feuer selbst ist der Brandbeschleuniger in den digitalen Kommentarspalten: Der Hass und die Häme, die sich dort ungefiltert ausbreiten, greifen das Klima unseres Zusammenlebens an.
Unsere Antwort: Beharrlichkeit und Brüderlichkeit
Als Freimaurer lassen wir uns durch Gewalt und Intoleranz nicht beirren.
Wir weichen nicht zurück: Angriffe auf die Humanität bestärken uns nur darin, unsere Arbeit für Toleranz und Freiheit fortzusetzen.
Die richtige Zeit zusammenzurücken: In dieser Stunde der Prüfung ist die gesamte deutsche Freimaurerei aufgerufen, über Logengrenzen hinweg zusammenzurücken und ein unübersehbares Zeichen der Einheit zu setzen. Beweisen wir gemeinsam, dass unsere Werte der Toleranz und Humanität stärker sind als zerstörerische Gewalt, indem wir entschlossen und als ein geschlossener Bund für unsere Ideale einstehen
Werte bewahren: Während physische Archive zerstört werden können, bleibt unsere Haltung unantastbar.
Solidarität zeigen: Unsere Gedanken sind bei den Brüdern der Loge Modestia cum Libertate und allen Zürcher Logen.
Unsere Antwort: Transparenz als Schutzschild
Wir sollten jetzt den Mut finden, aus dem Schatten der Mythen herauszutreten. Eine zeitgemäße Freimaurerei braucht keine Mauern des Schweigens, sondern offene Türen.
Raus aus der Nische: Wenn wir unsere Werte und unser Wirken aktiv nach außen tragen, entziehen wir Verschwörungserzählungen den Boden.
Nahbarkeit statt Mythos: Je sichtbarer wir als Teil der Zivilgesellschaft werden, desto schwieriger wird es, uns als abstraktes Feindbild zu markieren.
Haltung gegen Hass: Der Brandbeschleuniger in den digitalen Kommentarspalten lässt sich nur durch Fakten und echte Begegnungen löschen.
Solidarität und Wiederaufbau
Wenn wir aus dieser Tragödie eine Lehre ziehen, dann diese: Wir brauchen mehr Wachsamkeit und gemeinsames Zeichen gegenüber dem Hass und mehr praktische Unterstützung für den Schutz unserer kulturellen Identität.
Unsere Gedanken sind bei den Brüdern der Loge Modestia cum Libertate. Die beste Antwort auf diesen Brand ist nicht nur der Wiederaufbau der Steine, sondern ein mutiger Schritt in die Sichtbarkeit. Ein großer Dank gilt den Einsatzkräften von Schutz & Rettung Zürich, die unter schwersten Bedingungen Schlimmeres verhindert haben.
In Freundschaft und Zuversicht: Wir bauen wieder auf – moderner, offener und entschlossener denn je.
In einer Zeit, in der viele Menschen Orientierung, Gemeinschaft und einen tieferen Sinn in ihrem Leben suchen, setzt die freimaurerische Großloge Souveräner GrossOrient von Deutschland (SGOvD) auf eine moderne, offene Form der Freimaurerei. Der SGOvD versteht sich als Dachverband liberaler Freimaurerlogen, die sich den Idealen der Aufklärung, des Humanismus und der Gewissensfreiheit verpflichtet fühlen – unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Weltanschauung.
Werte, die verbinden Die Freimaurerlogen unter dem Dach des SGOvD sind Zentren des persönlichen Austauschs und des gemeinsamen Nachdenkens. Sie bieten Raum, um über sittliche Fragen, gesellschaftliche Herausforderungen und die eigene Entwicklung zu sprechen, sowie sich gegenseitig zu unterstützen. Freimaurerei im SGOvD heißt, Verantwortung für sich und die Gemeinschaft zu übernehmen und den eigenen moralischen Kompass kontinuierlich zu schärfen. Ein besonderes Merkmal: Die Mitgliedslogen setzten keine bestimmte Glaubensrichtung vor und jede Person mit eigener Überzeugung ist willkommen, solange sie an ihrer eigenen Charakterformung arbeitet. Diese Offenheit macht die Zusammenarbeit vielfältig und lebendig.
Ein Bund fürs Leben – persönliche und gemeinschaftliche Entfaltung Die Entscheidung, Mitglied einer Freimaurerloge des SGOvD zu werden, ist mehr als eine formale Mitgliedschaft – sie ist ein Bund fürs Leben. In den regelmäßigen Treffen pflegen Mitglieder nicht nur traditionelle Freimaurer-Rituale, sondern auch philosophischen Austausch und gegenseitige Unterstützung aus denen sich Freundschaften entwickeln. Rituale und Symbole dienen dabei als Werkzeuge, innere Seelenräume zu schaffen. Gerade in einer Welt, die von schnellen Veränderungen und oft oberflächlichen Kontakten geprägt ist, bieten die Freimaurerlogen des SGOvD eine stabile Gemeinschaft, in der persönlicher Austausch, Verantwortung, gegenseitiges Vertrauen und familiäres Zusammenarbeiten im Vordergrund stehen.
Alte (neue) Pflichten als Rahmen für echte Verbundenheit Die Prinzipien der SGOvD-Logen sind klare Richtlinien, keine willkürlichen Vorschriften und orientieren sich stark an den Alten (neuen) Pflichten von 2023 (Link). Der SGOvD greift nicht in das Logenleben ein, denn die Freimaurerlogen strukturieren ihre Arbeit selbst. Der SGOvD steht dafür ein, dass alle Mitglieder gleichberechtigt am gemeinsamen Logenleben und Lernen teilhaben können. Wer sich an diese Regeln hält, den Zusammenhalt der örtlichen Gemeinschaften und der Großloge stärkt sowie gleichzeitig Respekt gegenüber den Idealen, die den Geist des SGOvD und seiner Mitgliedslogen tragen, steht für eine moderne Freimaurerei ein.
Einladend und offen für Interessierte Interessierte haben die Möglichkeit, an Informations- oder Gästeabenden der Freimaurerloge vor Ort teilzunehmen (Link), um ihre Arbeitsweisen kennenzulernen und einen Eindruck von den Menschen und Themen zu gewinnen, die den SGOvD ausmachen. Nur wer sich ein eigenes Bild macht, kann entscheiden, ob eine Mitgliedschaft der nächste, bereichernde Schritt in seinem Leben ist.
Die Großloge SGOvD lädt alle Menschen ein, die persönliche Entwicklung, gemeinsamen Austausch und einen werteorientierten Weg suchen, Teil dieser lebendigen, zeitgemäßen Freimaurer-Gemeinschaft zu werden, unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Weltanschauung: kontakt@sgovd.info
In jüngerer Zeit erscheinen in Medien und sozialen Netzwerken vermehrt Beiträge, die den historischen Begriff „Illuminati“ aufgreifen und ihn mit heutigen gesellschaftlichen oder politischen Entwicklungen und den Freimaurern verknüpfen. Ein Artikel vom 12. Dezember 2025 aus den USA bietet hierzu die Möglichkeit, einer journalistischen Einordnung und damit grundlegende Sachverhalte klarzustellen – insbesondere im Hinblick auf immer wieder behauptete Zusammenhänge mit der Freimaurerei.
Der historische Illuminatenorden Der sogenannte Illuminatenorden wurde 1776 in Bayern von Adam Weishaupt gegründet. Er existierte nur wenige Jahre und wurde bereits in den 1780er-Jahren staatlich verboten und aufgelöst. Historiker sind sich einig, dass dieser Orden nicht fortbesteht und keine nachweisbare organisatorische Kontinuität bis in die Gegenwart besitzt. Moderne Erzählungen über eine weltweit agierende „Illuminati-Elite“ entstammen der Popkultur und verschwörungsideologischen Narrativen, nicht der Geschichtswissenschaft.
Zur behaupteten Verbindung mit der Freimaurerei Richtig ist, dass es im ausgehenden 18. Jahrhundert Personen gab, die sowohl Mitglieder freimaurerischer Logen als auch des kurzlebigen Illuminatenordens waren. Die Freimaurerei als weltweite Bruderschaft existierte bereits vor der Gründung des Illuminatenordens und entwickelte sich unabhängig von diesem weiter. Sie ist weder aus ihm hervorgegangen, noch hat sie dessen Ziele, Methoden oder Strukturen übernommen.
Freimaurerei heute Die heutige Freimaurerei ist eine offen eingetragene, rechtlich transparente Gemeinschaft, deren Ziele Persönlichkeitsbildung, Moralität, Toleranz und gesellschaftliche Verantwortung sind. Freimaurerlogen arbeiten öffentlich bekannt, unterliegen den jeweiligen nationalen Rechtsordnungen und engagieren sich vielfach karitativ und kulturell. Die häufig kolportierte Vorstellung, Freimaurer wirkten im Geheimen auf Politik, Wirtschaft oder Medien ein, entbehrt jeder faktischen Grundlage. Sie beruht auf Missverständnissen, historischen Verzerrungen und einer Vermischung realer Geschichte mit fiktionalen Erzählmustern. Das resultiert höchstwahrscheinlich daraus, dass sich Freimaurer vor den inquisitorischen Mitteln der Katholischen Kirche verstecken mussten und im Dritten Reich verfolgt wurden und daher ihr tolerantes Wirken für sie zur Lebensgefahr im Nazi-Regime wurde.
Warum die Mythen fortbestehen Wie auch der genannte Artikel zeigt, dient der Begriff „Illuminati“ heute vielfach als Projektionsfläche für diffuse Ängste vor Macht, Eliten und gesellschaftlichem Wandel. Dabei werden reale Organisationen wie die Freimaurerei in Erzählungen hineingezogen, mit denen sie nichts zu tun haben. Solche Narrative sagen mehr über die Mechanismen moderner Desinformation aus als über die betroffenen Institutionen selbst. Auch der Versuch damit mehr Leser und Follower zu generieren, sagt mehr über den Verfasser als die betroffenen Institutionen aus.
Schlussbemerkung Die Freimaurerei distanziert sich ausdrücklich von allen Verschwörungserzählungen über angebliche „Illuminati-Netzwerke“ oder geheime Machtstrukturen. Zwischen der historischen Episode des Illuminatenordens und der heutigen Freimaurerei besteht keine organisatorische, ideologische oder personelle Verbindung. Eine sachliche Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart zeigt klar: Freimaurer sind weder Teil eines geheimen Weltordnungsprojekts noch Träger verborgener politischer Agenden, sondern Mitglieder einer offenen Wertegemeinschaft, deren Wirken sich an Menschlichkeit, Selbstverantwortung und gesellschaftlicher Vernunft orientiert.
In öffentlichen Debatten und sozialen Medien taucht immer wieder die Figur des Baphometh auf – insbesondere in Verbindung mit modernen Verschwörungstheorien und der Freimaurerei. Viele dieser Erzählungen führen zu Missverständnissen darüber, was Baphometh symbolisiert, und wie – oder ob überhaupt – dies mit der Freimaurerei in Verbindung steht.
Was ist „Baphomet“? Der am weitesten verbreitete visuelle Eindruck von Baphometh geht auf den französischen Okkultisten Éliphas Lévi zurück, der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Zeichnung dieser Gestalt als „Sabbatic Goat“ veröffentlichte. (siehe Abb. links) Dieses Bild zeigt eine androgyn wirkende, gehörnte Figur mit Pentagramm und Fackel – und wurde von Lévi als ein symbolisches, hermetisch-esoterisches Bild verstanden, das Gegensätze wie Licht und Dunkel, männlich und weiblich oder Geist und Materie in seiner Darstellung vereint.
Es ist wichtig zu betonen, dass Lévis Darstellung nicht aus historischen Quellen des Mittelalters stammt und auch kein dokumentiertes Objekt realer Verehrung darstellt, sondern ein symbolisches, philosophisch-okkulter Gedanke war, der später von verschiedenen Strömungen aufgegriffen wurde und als Baphometh tituliert wurde.
Erste historische Erwähnung Die erste historische Erwähnung geht auf die Verhöre der Tempelritter des 14. Jahrhunderts zurück. Einen geistlichen Ritterorden, der kämpfende Mönche und klerikale Ritter in sich vereinte. Er wurde vom französischen König vernichtet. Was die Ritter unter Baphometh verstanden – manchmal als bärtiger Schädel, doppelgesichtiger Kopf oder Reliquie – geht nicht klar aus den Protokollen hervor, wahrscheinlich wegen der Folter.
Weder historisch noch institutionell mit Freimaurerei verbunden Die heute in manchen Kreisen verbreitete Behauptung, Freimaurer würden Baphometh verehren, oder diesen als satanisches Idol nutzen, ist nicht historisch fundiert. Sie geht vielmehr auf eine bekannte Desinformationskampagne des 19. Jahrhunderts zurück, den sogenannten Taxil-Schwindel: Léo Taxil veröffentlichte anti-freimaurerische Schriften, in denen er Baphometh und andere symbolische Bilder in erfundene Rituale und „Satanismus“ verwob, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Später gestand er offen, dass diese Publikationen frei erfunden waren. Manche Freimaurer-Richtungen sehen sich selbst als geistige Nachfolger der Tempelritter, was aber nichts mit der vermeintlichen Verehrung des Baphometh-Narrativs der historischen Tempelritter oder der im Zusammenhang mit dem Taxil-Schwindel behaupteten Verbindungen zum modernen Satanismus zu tun hat.
Klarstellung zur Freimaurerei und Satanismus Die Freimaurerei ist eine weltweite Bruderschaft mit dem Ziel der Förderung von moralischem Denken, persönlicher Entwicklung und gesellschaftlicher Verantwortung. Sie arbeitet öffentlich und transparent innerhalb der jeweiligen rechtlichen Rahmenbedingungen der Länder, in denen Logen bestehen. Sie sind meistens eingetragene Vereine. Behauptungen, Freimaurer würden satanische Praktiken ausüben oder geheime Dämonenbilder wie Baphometh verehren, entbehren jeglicher historischen und faktischen Grundlage. Solche Erzählungen lassen sich klar auf anti-freimaurerische Stereotype, polemische Literatur des 19. Jahrhunderts oder moderne Verschwörungstheorien zurückführen – nicht auf authentische freimaurerische Inhalte oder Praxis.
Fazit
Baphometh ist primär ein historisch moderner, symbolischer Entwurf aus der Esoterik des 19. Jahrhunderts – kein dämonisches Wesen.
Es besteht kein belegter, institutioneller oder theologischer Zusammenhang zwischen diesem Symbol und der Freimaurerei.
Freimaurerei steht nicht im Zusammenhang mit Satanismus, und Vorwürfe dieser Art basieren auf historischen Gefährdungen, Fehldeutungen und bewussten Falschinformationen.
Das Licht ist weit mehr als eine physikalische Erscheinung. Es ist das Urbild des Lebens und die Substanz der Schöpfung, der Ausdruck des ungeschaffenen göttlichen Bewusstseins. Es durchdringt alles Sein, wie es in den Worten anklingt: „Ich Bin das Licht der Welt.“
Doch um das wahre Wesen, den inneren Kern aller Dinge zu erkennen, genügt das äußere Licht allein nicht. Wir benötigen das innere Licht..
💡 Sehen als Einheit in der Freimaurerei
Sehen ist ein doppelseitiger Vorgang. Wir empfangen das Licht der Dinge, aber gleichzeitig beleuchten und bestrahlen wir sie durch unser eigenes Auge, aus unserem eigenen Herzen. Sehen wird so zu einem Austausch, einem Geben und einem Nehmen, einer Verbindung mit dem Wesen des Betrachteten.
Das wahre Sehen geht jedoch darüber hinaus und löst jede Grenze auf. Es vereint Schauenden, Geschautes und Schauen in der ekstatischen Schau, die im Grunde Lieben ist – eine Erfahrung der Einheit des All-Einen in Allem. Dieser Lichtweg der Erkenntnis findet sich in der Freimaurerei und in der Kabbala in der Erweckung des inneren Auges und des darin wohnenden göttlichen Lichtes.
Das Licht um uns und der Lichtfunke in uns sind dabei eins, denn es gibt kein Sein, kein Licht und kein Bewusstsein außer Ihm. Das äußere Licht bleibt in seiner Reinheit makellos, selbst wenn es auf das Dunkel fällt, wie Marc Aurel es formuliert: „Das Licht der Sonne, auch wenn es auf eine Kloake fällt, bleibt stets makellos rein.“
⚫️ Die Natur von Dunkelheit und Schatten
Das Licht ist die ungezeugte Substanz des Göttlichen; das Dunkel hingegen ist geschaffen.Der Schatten ist immer eine Projektion des Lichtes. Er gehört zur relativen Welt des Gegenständlichen. Wo wir diese dichter-materielle Welt übersteigen und in das göttliche Licht eintauchen, lösen sich alle Schatten auf. Ohne Licht kein Schatten.
Dennoch geht der Schatten ursprünglich aus dem Geist hervor. Er entsteht durch den Fall und die Verdichtung der lichthaften Ursubstanz in dichteren Stoff.
Hieraus ergibt sich die Unterscheidung von zwei Arten des Dunkels:
1. Das Dunkel als Substanz: Eine „lichtlose“ Substanz, die Materie oder der Stoff, ein Zustand verdichteten Bewusstseins, der zu Trübung und Blindheit führt. Dies ist die erste Art von Finsternis.
2. Das Dunkel als Schatten: Die Verstellung des Lichtes durch die manifeste, dingliche Substanz. Schatten sind Projektionen der relativen Welt aus dem ungebrochenen Licht des Geistes.Wir sind Lichter, versenkt in die Finsternis dieser stofflichen Welt, um uns zu vollenden und sie zu erleuchten. Als individuelles Bewusstsein (Shiva) haben wir jedoch einen Teil unserer ursprünglichen Leuchtkraft (Shakti) eingebüßt. Diese Blindheit unseres Wesens formt unser Ego – ein Pseudo-Ich, das aus verfestigten inneren Bildern und blinden Flecken (unseren unintegrierten seelischen Anteilen) entsteht.
Die Welt erscheint uns stets in der Weise, wie unser Wesen beschaffen ist: Ist unser Wesen hell, so erscheint sie uns hell, ist es dunkel, so erscheint sie uns ebenfalls dunkel.
🎨 Die Sprache der Farbe:
Ausdruck des Lebens und des GeistesFarbe ist der Abglanz und Ausdruck des Lebens, so wie das Licht das Urbild des Geistes und des alldurchdringenden Bewusstseins ist. Farben bilden die hauptsächlichen Brücken zwischen Seele, innerem Leben und äußerer Welt.Sowohl unsere Stimmungslage (trüb und schmutzig bei Egozentrik und Niederträchtigkeit; hell und brillant bei Hingabe und hohen Idealen) als auch Urkräfte des Geistes spiegeln sich in den Farben.
🟡🔴🔵 Die Dreieinheit der Urfarben
Die drei Grundfarben Gelb, Rot und Blau sind die Urkonstituenten des Lichtes und bilden ein Modell der Dreieinheit des Lichtes in Licht, Farbe und Finsternis. In ihrer gleichteiligen Verbindung führen sie zur Einheit des Lichtes jenseits aller Farben. Sie sind die drei Säulen der farbigen Welt und symbolisieren die Prinzipien von Körper, Seele und Geist im Menschen.
Die Verbindung dieser Elemente erzeugt die Fülle und Vielfalt der Farben. Gelb (Richtung) erfüllt die Spannung zwischen Rot (Bewegung/Wille) und Blau (Ruhe/Sehnsucht), bringt das System in dynamisches Gleichgewicht.
• Grün: Die Verbindung von Geist (Gelb) und Materie (Blau), von Licht und Dunkel. Es symbolisiert Wachstum, Leben und die Intelligenz der Natur.
• Orange-Blau: Die Liebesachse, die das Prinzip des Gebens und Nehmens repräsentiert – den Fluss von Herzenswärme und Kreativität. Wahres Geben ist das Teilen von Freude und Schmerz; wahres Nehmen ist das Annehmen und Wahr-Nehmen des Anderen, wie er ist.
🌟 Erkenntnis des Selbst – der erste Schritt in der Freimaurerei
Der bewusste Umgang mit Licht, Schatten und Bildern ist unsere Grundlage unseres Erlösungsweges.Die Schatten zu erlösen bedeutet, die Trübungen, Bilder und fixen Ideen abzulösen, die sie verursachen. Es geht darum, das in ihnen gebundene Potential von Bewusstsein, die verborgenen Anlagen und Fähigkeiten unserer Individualität, zu erschließen.In der Läuterung unseres Wesens und der Erinnerung an unsere ursprüngliche Geistnatur (reines Licht), überwinden wir die Materie und kommen zur Erkenntnis unseres Selbst.
Dies ist die Lösung des Paradoxes der Selbsterkenntnis: Bewusstsein wird sich im Bewusstsein und -werden seiner selbst bewusst. Der Erkennende erkennt im Akt der Erkenntnis sich selbst. In seinem Vollzug werden Erkennender, Erkenntnis und Erkanntes eins.
Unter „https://sgovd.info/presse“ findest du das französische Original aus der Ausgabe des online Magazin Nr. 27 unserer Partner-Großloge „Grand Loge National des Rites Maçonniques“. In diesen Bereich findest du auch den gesamten Magazin.